Konservative Knorpel- und Arthrose-Behandlung
Die Grundlage jeder Therapie bei Gelenkabnützung ist die Bewe-
gung. Arthrosegelenke dürfen nicht ruhig gestellt werden. Bewe-
gung heißt aber nicht Überlastung. Eine gute Richtschnur sind auf-
tretende Schmerzen. Sie sind das Warnsignal für jede Überlastung.
Leider treten sie mitunter erst später in Ruhe auf.
Am besten ist Bewegung ohne wesentliche Belastung. Für die Ge-
lenken der Beine bedeutet dies: Eher bergauf, als bergab Gehen,
eher treppauf, als treppab, Radfahren, Schwimmen sind mit idealen
Bewegungsmustern verbunden. Generell sollte auf gute Schuhe
geachtet werden. Sohlen mit Dämpfungseigenschaften, z. B. luft-
gepolsterte Schuhe, dämpfen die Stoßbelastung beim Gehen. Da-
mit sind sie gelenkschonend. Gehen oder Laufen auf weichem Un-
tergrund ist besser, als auf Stein oder Asphalt. Wichtig ist die regel-
mäßige Bewegung. Regelmäßiges Treppe Gehen, mindestens eine
halbe Stunde Gehen im Freien, zusätzlich zweimal in der Woche
Schwimmen oder Radfahren sind Belastungen, die bei konservativ
behandelbarer Arthrose gut vertragen werden und die Gelenke be-
weglich halten. Ergänzend stehen u. a. folgende medikamentöse
Behandlungen zur Verfügung:
Kortisonpräparate
Die Indikation für intraartikulär injizierte Steroide (Kortisonpräpa-
rate verhindern die Freisetzung von Zellgiften) besteht nur bei Pa-
tienten mit aktivierter Arthrose, sofern andere Therapien ausge-
schöpft sind. Fehlt die Entzündungsreaktion, ist die Behandlung
mit Kortison nicht sinnvoll. Im Gegenteil: Bei regelmäßiger Anwen-
dung führt Kortison zu einer Beeinträchtigung des Zellstoffwech-
sels im Knorpel und damit zur Verstärkung des Knorpelabbaus.
Da Kortisonpräparate auch die Körperabwehr hemmen, besteht
besonders bei mehrmaliger Anwendung ein nicht zu unterschät-
zendes Înfektionsrisiko.
Wie bei allen Injektionen in ein Gelenk ist daher der Patient vor der
Behandlung über Nutzen und Risiken aufzuklären. Die Behandlung
selbst muss unter streng sterilen Bedingungen (ausgiebige Des-
infektion, sterile Handschuhe) vorgenommen werden.
Hyaluronsäure
Seit Jahrzehnten in der Augenchirurgie und seit kurzem sogar zur
Faltenunterspritzung in der Plastisch-Ästhetischen Chirurgie ein-
gesetzt, ist Hyaluronsäure auch für die Behandlung der Arthrose
zugelassen. Hyaluronsäure (Hyaluronat) ist eine körpereigene Sub-
stanz, die in vielen Organen und Geweben vorkommt. Früher wurde
der Stoff aus Hahnenkämmen gewonnen. Heute wird Hyaluron-
säure überwiegend synthetisch hergestellt. Im Gelenk zeichnet sie
sich vor allem dadurch aus, dass sie große Mengen Wasser bindet
und für die "Schmierung" der Gelenkoberflächen verantwortlich ist.
Eine weitere Funktion ist die Verbesserung der Knorpelernährung
durch Diffusion. Knorpel ist ja Gewebe ohne eigene Blutgefässe.
Deswegen bedarf es der Gelenkflüssigkeit (Synovialflüssigkeit),
über die Nährstoffe in das Gewebe gelangen.
Hyaluronsäure kann die Arthrose zwar nicht heilen. Es verbessert
aber die Gelenkschmierung und hat einen entzündungshemmen-
den Effekt. Dadurch kommt es zur Schmerzlinderung und zur Ver-
besserung der Gelenkfunktion.
Das Präparat wird in wöchentlichen
Abständen drei bis fünfmal direkt mit einer dünnen Nadel ins Gelenk
injiziert. Die Wirkung setzt nach zwei bis drei Wochen ein und hält
oft über ein Jahr an. Die Wirkung ist umso besser, je geringer der
Gelenkverschleiß fortgeschritten ist. Liegen schwere Deformierun-
gen des Gelenks, ausgeprägte Achsabweichungen (besonders am
Kniegelenk: X- und O-Beine) und starke Osteophytenbildung (Kno-
chennasen) vor, oder ist der Gelenkspalt weitgehend aufgebraucht,
ist die Behandlung mit Hyaluronsäure nicht mehr angezeigt.
Orthokin-Therapie
Im Gegensatz zur lokal-invasiven Therapie am Kniegelenk basiert
die sogenannte Orthokin-Therapie auf der Erkenntnis, dass der Bo-
tenstoff Interleukin-1 (IL-1) eine wesentliche Rolle beim Abbau der
Knorpelsubstanz spielt. Als Arthrosetherapie eignet sich deshalb der
natürliche "Gegenspieler" Interleukin-1-Rezeptorantagonist (IL-1Ra),
der nach bisherigen Erfahrungen entzündungshemmend, schmerzl-
indernd und damit Knorpelprotektiv wirkt. Das Protein wird durch
einen speziellen Herstellungsprozess aus dem Blutserum des
Patienten selbst gewonnen und steht anschließend in Ampullen-
forem zur Injektionstherapie zur Verfügung.