Der besondere Behandlungsfall:


Großflächige 3-D-Matrix Knorpel-Trans-
plantation am Kniegelenk bei ausgedehntem
Knorpelschaden und Gelenkschmerzen

Vorgeschichte
29-jähriger Patient, bei dem möglicherweise nach einem Sturz-
ereignis arthroskopisch ein ausgedehnter Knorpelschaden an der
Oberschenkelrolle links bis zur Hauptbelastungszone im äußeren
Gelenkfach, sowie hinter der Kniescheibe festgestellt worden war.
Bei der auswärts durchgeführten Kniegelenksspiegelung sind zahlreiche Knorpelstücke entfernt worden. Der Patient litt unter zu-
nehmenden Knieschmerzen, Gelenk-Schwellungen und Erguß-
bildung. Sportliche Betätigungen waren nicht mehr möglich.

Befund
Reizlose Narben nach Arthroskopie des linken Kniegelenks. Deutlicher Gelenkerguß, Knirschen und Reiben beim Durchbe-
wegen des Kniegelenks.

Röntgen
Li. Kniegelenk in 2 E : Nach radiologischen Kriterien regelrechte Kniegelenkartikulation, kein Gelenkverschleiß, kein arthrotischer
Umbau. Ganzbeinaufnahme ap im Stehen: Physiologische Bein-
achsenverhältnisse links mit Verlauf der Mikuliczlinie durch die
Kreuzbandhöcker.

Therapie
Arthroskopie linkes Knie, Sicherung und Dokumentation des Knie-
gelenkbefunds: Im oberen Rezessus deutliche Synovitis mit tang-artigen Wucherungen der Synovialmembran. Hier findet man zwei
freie Gelenkkörper, offenbar Knorpeldelaminationen von bis zu 2cm
Durchmesser. Diese werden geborgen, ein Teil zur Histologie ein-
geschickt, der größere wird in das Transportgefäß gegeben zur
Züchtung im Zelllabor. Viertgradiger Knorpelschaden retropatellar
im Bereich der medialen und lateralen Gelenkfacette, im Gleitlager
ebenfalls viertgradiger Knorpelschaden, der die gesamte obere Fe-
murrolle umfasst, ca. 6x3-4 cm. Medialer Gelenkabschnitt recht eng.
Kein wesentlicher Knorpelschaden an der Oberschenkelrolle und
im Bereich des Tibiakondylus. Der Innenmeniskus ist in ganzer Aus-
dehnung vom Hinterhornbereich über das Zwischenstück und zum
Vorderhorn hin intakt. Tasthakenuntersuchung. In der Fossa inter-
condylaris Synovitis, VKB unauffällig und fest. Überlagerung durch
eingerrissene Plica. Hinteres Kreuzband im femoralen Ansatzbe-
reich einsehbar und ebenfalls nach Tasthakenuntersuchung fest.
Außenmeniskus fest. Zwischen 70° und 110° Flexion kommt ein
Grad 4-Knorpelschaden nach Outerbridge in einer Ausdehnung von
ca. 3x3cm im lateralen Gelenkfach zur Darstellung, die Knorpelrän-
der sind fest. Lateraler Rezessus frei, jedoch Synovitis. Gewinnung
von Knorpelgewebe zur Zellzüchtung, konsekutiv 3-D-Matrix-ACT
3 Wochen später. Dabei sorgfältiges Debridieren der geschädigten
Gelenkareale und Einnähen der Knorpelmatrix-Transplantate
in die Defekte.

Nachbehandlung
7 Tage Immobilisierung in Streckstellung, dann vorsichtiger Beginn
einer funktionellen Behandlung (elektrische Motorschiene und Knie-
orthese) im Bereich 0-30 Grad bis zum Abschluss der 6. postoperati-
ven Woche. Bis dahin nur Tippbelastung des Beins (max 15 kp). Ab
Woche 7 Steigerung des Bewegungsumfang auf 60° und Belastungs-
steigerung um 20 kp, ab der 9. Woche 90 und 60 kp Teilbelastung,
ab der 11. Woche Freigabe. Schwimmen, Radfahren, Gehen ab
dem 4. Monat, volle Sportfähigkeit nach 1 Jahr. Vgl. auch Knorpel-
transplantation








praeop

Bild 1
Zeigt den ausgedehnten Knorpel-
schaden am Oberschenkel.


praeop

Bild 2
Die Knorpeldefekte hinter Knie-
scheibe, links aufgeklappt, sind
deutlich sichtbar.


postop

Bild 3
Nach Durchführung der Knorpel-
übertragung zeigt sich die Trans-
plantationsstelle noch dunkel.








mrt

Bild 4
Die Kernspin-Untersuchung (MRT) des operierten
Kniegelenks nach 6 Monaten zeigt eine vollständige
Einheilung des transplantierten Knorpels.
Der Patient ist beschwerdefrei und beginnt bereits
wieder mit sportlicher Betätigung.